MRN-Newsletter: E-Ausschreibungsplattform
Per Klick zum Auftrag: E-Vergabeplattform gestartet
Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen, liebe Leser,
in Deutschland werden jährlich rund 2,4 Millionen Aufträge der öffent-lichen Hand vergeben. Es gibt dafür gesetzlich geregelte Verfahren. Dabei entstehen Verwaltungskosten in Höhe von 19 Milliarden Euro, die etwa je zur Hälfte die öffentlichen Auftraggeber und die bietenden Unternehmen tragen. Bei einem Auftragsvolumen von insgesamt 420 Milliarden Euro eine zu vernachlässigende Größe? Keineswegs! Denn hinter den Kosten des öffentlichen Vergabewesens stecken häufig Detailverliebtheit, Schwerfälligkeit, überhöhter Aufwand und mangelnde Transparenz. Wer öffentliche Aufträge erhalten will, muss sich viel Mühe geben: Ausschreibungen aufwändig aufspüren, Leis-tungsbeschreibungen und Angebote erstellen, Unterlagen und Eig-nungsnachweise einreichen, prüfen und bewerten lassen. Kein Wun-der, dass insbesondere kleinere Unternehmen den enormen perso-nellen und finanziellen Aufwand scheuen, der mit der Teilnahme an einer öffentlichen Ausschreibung einhergeht.
Die größten Effizienzpotenziale sehen Experten daher in der zentra-len Veröffentlichung aller Aufträge der öffentlichen Hand sowie in ihrer elektronischen Vergabe. Obwohl die sog. E-Vergabe bereits seit vie-len Jahren in der Diskussion ist, werden in Deutschland derzeit nur fünf bis zehn Prozent der öffentlichen Aufträge auf diesem Weg er-teilt. Das von der EU-Kommission hoch gesteckte Ziel, bis ins Jahr 2010 die Hälfte der Ausschreibungen elektronisch abzuwickeln, ist damit außerhalb jeder Reichweite. Nicht jedoch in der Metropolregion Rhein-Neckar!
Seit Beginn des Jahres ist unter www.auftragsboerse.de die neue einheitliche regionale elektronische Vergabeplattform der Metropolre-gion Rhein-Neckar (MRN) online. Dort finden Unternehmen alle In-formationen zu den aktuellen öffentlichen Ausschreibungen aus der Region. Zusätzlich können die Vergabeunterlagen von derzeit 65 Kommunen online abgerufen, danach am Computer bearbeitet und via Internet an die ausschreibende Stelle übermittelt werden. Auf die-se Weise lassen sich auf beiden Seiten Kosten und Zeit einsparen sowie Formfehler vermeiden. Eine Software führt die Bieter durch alle Stufen des Vergabeverfahrens und verhilft so zum vollständigen An-gebot. Damit werden weniger Anbieter aufgrund von unvollständigen Angaben oder Formfehlern von der Ausschreibung ausgeschlossen. Die Kommunen profitieren in der Folge von einem verstärkten Bieter-wettbewerb.
Doch die Vorteile für die Bieterseite liegen nicht nur in der Informati-onsbündelung und der elektronischen Abwicklung. Die beteiligten Kommunen haben sich dazu entschlossen, den neuen Service für Un-ternehmen rundum kostenlos zur Verfügung zu stellen! Bislang muss-ten die Vergabeunterlagen in den meisten Fällen kostenpflichtig bei den zuständigen Vergabenstellen oder anderen Vergabeportalen an-gefordert werden.
Für interessierte Unternehmen werden dazu im Januar und Februar in Kooperation mit den regionalen Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern kostenlose Informationsveranstaltungen in Bensheim, Heidelberg, Landau, Ludwigshafen, Mannheim, Mosbach und Worms angeboten.
Möglich wurde die länderübergreifende E-Vergabe-Lösung, die deutschlandweit ihresgleichen sucht, durch die effiziente und zielge-richtete Zusammenarbeit von Kommunen, Kammern, Verband Region Rhein-Neckar und MRN GmbH. In nur zwei Jahren konnten wichtige Partner gewonnen, das Anforderungsprofil an eine regionale Plattform definiert, eine europaweite Ausschreibung abgewickelt, das Vergabe-verfahren über drei Länder hinweg vereinheitlicht und die neue E-Vergabeplattform schließlich in den beteiligten Kommunen eingeführt werden. Wie schon beim Erfolgsmodell „Regionaler Handwerkerpark-ausweis" haben alle Beteiligten Einzelinteressen im Sinne der ge-meinsamen Sache zurückgestellt. Es wurde unbürokratisch eine Lö-sung über drei Ländergrenzen hinweg erarbeitet. Damit ist die MRN eine Modellregion für effiziente und kundenfreundliche Verwaltungs-praxis.
Das Gemeinschaftsprojekt und dessen enorme Umsetzungsge-schwindigkeit haben bereits das Bundeswirtschaftministerium und den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik tief be-eindruckt: Schon vor ihrer Einführung wurde die gemeinsame regio-nale E-Vergabeplattform Anfang Dezember für den Preis „Innovation schafft Vorsprung" nominiert, den die beiden Einrichtungen gemein-sam vergeben. Diese Anerkennung macht Mut und ist Ansporn für die nächste große Aufgabe: eine E-Government-Strategie für die MRN.












