Über 300 Gäste beim Brühler Neujahrsempfang
Brühl wird es aus eigener Kraft schaffen"
Vor 300 Gästen erläuterte Bürgermeister Dr. Ralf Göck in einer kurzweiligen Rede, die mehrfach von Beifall unterbrochen wurde, wie sich die Gemeinde aus seiner Sicht weiterentwickeln werde. Die musikalische Gestaltung übernahm ein Ensemble aus dem Sinfonischen Blasorchester des Musikvereins unter Leitung von Tobias Nessel - ein Ensemble deshalb, weil die Bühne noch nicht komplett zur Verfügung stand.
Der Saal selber war aber, jedenfalls was die Umrisse und die neue Decke betrifft, gerade noch rechtzeitig fertig geworden: „Sie, meine Damen und Herren, sind die ersten, die unseren Festsaal betreten können", stellte Dr. Göck den „Sternenhimmel" über dem Saal vor. „Den Eindruck möchten wir Ihnen nach immerhin einem Jahr Festhallenabstinenz nicht vorenthalten - nun, wie gefällt er Ihnen?", fragte Göck und Beifall gab ihm die eindeutig positive Antwort.
Zuversicht und Aufbruchstimmung herrsche bei ihm auch deshalb für das laufende Jahr vor, so Göck, weil im abgelaufenen wichtige Weichen in die richtige Richtung gestellt worden seien. Die Ortskernsanierung mit neuen Bauplätzen im südlichen Bereich der Hauptstraße, das Neubaugebiet hinter dem Bäumelweg und die mögliche Verlegung des FV Sport¬geländes vom Schrankenbuckel in den Süden der Gemeinden seien die „Großen Linien" der Gemeindeentwicklung in den nächsten sechs Jahren, die jetzt umgesetzt werden. Deswegen formuliere er das Motto nicht mehr „Brühl kann es aus eigener Kraft schaffen" sondern „Brühl wird es aus eigener Kraft schaffen". Die Umle-gung der Neubaugebiete werde finanzielle Vorteile bringen, ein Teil des Geldes werde dann für Sanierungs- und Erweiterungs-Investitionen insbesondere bei den Sportvereinen (Sporthalle und Sportplätze) genutzt. Die Vorteile durch neue Einwohner und die Kostenstabilität für die bisherigen Einwohner seien weitere Vorteile dieses begrenzten Wachstums.
Aber er vergesse auch nicht, „dass es neben den großen Projekten auch viel erfolgreiches Wirken „im kleinen" gibt - in unseren Vereinen, in unseren Kirchengemeinden und in unseren öffentlichen Einrichtungen. Das alles leisten Sie, die Brühler Bürger, jede und jeder an seinem Platz. Deshalb möchte ich Ihnen allen für Ihren gemeinnützigen Einsatz herzlich danken". Sein Dank galt auch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und speziell den Bauhof-Leuten, die tagelang „Winterdienst" auch an Weihnachten machten.
Sein Respekt galt dem Gemeinderat für zukunftsorientierte Entschei¬dungen und sein Gruß galt auch dem Bundestagsabgeordneten Olav Gutting und den Landtagsabgeordneten Rosa Grünstein und Gerhard Stratthaus. Die beiden bat er, sich bei der Landesregierung dafür einzusetzen, „dass der Etat für unser sinnvolles Sanierungsprogramm, das wir seit zehn Jahren hier in der Hauptstraße betreiben, noch ein letztes Mal erhöht wird, um die Sanierungs¬maßnahmen hier in der Festhalle und draußen in der Hauptstraße erfolgreich beenden zu können. Und vielleicht gelingt es ja auch noch, Mittel frei zu machen für die Damm¬sanierung in Rohrhof, auf die wir schon lange warten."
Neben den Ehrenbürgern Günther Reffert und Gerd Stauffer hieß er auch den neuen Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann und seinen Vorgänger Günther Pfadt aus Otterstadt willkommen, „unseren linksrheinischen Nachbarn an die Kollerinsel angrenzend", und auch Reiterhof-Chef Gaby und Hartmut Erny hatten den Weg über Speyer nicht gescheut.
Im Bereich der Kinder¬betreuung habe sich viel getan: Vor fünf Jahren sei die erste Kleinkind¬gruppe eingerichtet worden, inzwischen gebe es fünf Kleinkind¬-Gruppen und eine weitere Ganztagesgruppe. Es gebe inzwischen ein Sommerferien-Betreuungsangebot. Eine Hausaufgaben¬hilfe kam vor zwei Jahren in beiden Hort-Einrichtungen hinzu.
Das steigere die Personalkosten enorm. Mit der beschlossenen Erweiterung um zwei neue Kleinkindgruppen beim Gemeinde¬-Kindergarten gehe das weiter: „ An diesen Vorhaben mögen Sie erkennen, wie viel uns die Kinder bedeuten. Wir wollen eine familien¬freundliche Gemeinde bleiben. Auch das ist Zukunftssicherung!"
Sein Dank galt hier den Partnern in Sachen Kinderbetreuung, den Pfarrern unserer Gemeinde, die Herren Maier und Sauer, und erstmals Frau Hundhausen-Hübsch, verbunden mit dem Dank für die gute Zusammen¬arbeit und für ihr segensreiches Wirken im sozialen Bereich.
Schließlich grüßte Göck die Vertreter der Wirtschaft, darunter die Firma HausundCo der Familie Weidenhammer, die in 2011 auf dem Schütte-Lanz-Areal einen rechtsfähigen Bebauungsplan erhalten soll, der Gewerbeansiedlung ermöglicht. „Jedes Jahr versuchen wir übrigens zwei Wirtschaftgespräche mit unseren mittelständischen Unternehmen zu führen, wir sind nun bei Gespräch Nummer 25 angelangt", berichtete er von guten Kontakten zur Wirtschaft wie auch zu den Anbietern im Gesundheitswesen, die sich im „Brühler Gesundheitsforum" zusammengeschlossen hätten, um ebenfalls den Zusam¬men¬halt zu stärken und Probleme auf dem kleinen Dienstweg schnell zu lösen.
Vielleicht habe auch das dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenzahl in Brühl vom Dezember 2009 (337) zum Dezember 2010 (279) um 20 Prozent zurückgegangen sei, beglückwünschte er den Chef der Arbeitsagentur, Klaus Kuhn, „und die Menschen, die wieder Arbeit gefunden haben".
Ganz sicher habe der Mittelstand in Brühl dazu beigetragen - gefördert vom örtlichen Bund der Selbständigen, hieß er stellvertretend den Vorsitzenden Thomas Zoepke willkommen, und dankte vielen Betrieben, die ihre Brühler Kollegin Bettina Hauck bei der Erstellung der neuen Neubürgerbroschüre unterstützt hätten. Sein Dank galt auch der Rohrhofer Grafik-Designerin Bettina Hauck selber, die hier ganze Arbeit geleistet habe. Druckfrische Exemplare wurden an die Anwesenden verteilt, „damit Sie gut Werbung machen für Ihre „grüne" Heimatgemeinde, wird doch aus den vielen Bildern deutlich wieviele Naturflächen Brühl birgt."
Und schon seit Jahren sei das „grüne Thema" Energiesparen ein wich¬tiges in Brühl - erkennbar an Millionen-Investitionen an der Schillerschule, im Hallenbad, an der Sporthalle und beim Schillerschul-Pavillon samt Hausmeisterhaus, „wo wir überall Wärmedämmung angebracht und die Fenster ausgewechselt haben." Im Rathaus habe das 2010 zu über 30 Prozent weniger Gasverbrauch geführt.
Der Brühler Energieberater habe dabei mitgeholfen: „Er würde auch Ihnen kostenlos Ratschläge geben jeweils donnerstags im Rathaus", warb Dr. Göck für „Folgeinvestitionen" in Brühl. Und das tat er auch für die umweltfreundliche Fernwärme. In Rohrhof sei sie schon weit verbreitet, „und jetzt ist sie auch nach Brühl gekommen durch den Bau der MVV-Fernwärmetrasse nach Speyer. Bisher haben rund 300 Rohrhofer Haushalte von einer Anschlussmöglichkeit Gebrauch gemacht. 2011 kommen viele hinzu. Und ich kann nur an die Brühler Bürger appellieren, sich ebenfalls „dranzuhängen" dort, wo diese Versorgung angeboten wird." Die Gemeinde gebe übrigens auch 2011 einen Zuschuss dafür, wies Göck auf das Umweltförderprogramm hin, das in Brühl großzügig ausgestattet sei.
„Darüber hinaus wollten wir Brühler noch mehr im Bereich der Ökologie und Ökonomie leisten. Wir wollen beitragen zu der Umstellung der bundes¬deutschen Energieversorgung auf dezentrale und erneuerbare Energien, indem wir auf unserem Grund und Boden das zweite Geothermiekraftwerk Baden-Württembergs errichten lassen", ging er auf das vieldiskutierte Thema ein. Das habe zu Protesten innerhalb der Gemeinde geführt, weil es, wie jede Kraftwerkstechnik, nicht ganz risikolos sei. Bisher habe die Firma GeoEnergy, die das Projekt mit privatem Kapital umsetzen möchte, jedoch noch keine Bohr¬ge¬¬nehmigung erhalten. Die Gemeinde Brühl sei dafür auch nicht zuständig, sondern eine Fachbehörde in Freiburg, die es sich nicht leicht mache mit der Entscheidung. „GeoEnergy muss diesem Bergamt in Freiburg nachweisen, dass es hier bei uns in Brühl nach menschlichem Ermessen keine Probleme mit Erdbeben geben wird. Wir wollen auf der sicheren Seite sein. Sollte das Bergamt positiv entscheiden, gehen wir davon aus, dass alles Menschen¬mögliche sorgfältig geprüft und alle bisherigen Erfahrungen eingebracht wurden." Mit diesem Erdwärmekraftwerk habe die Gemeinde Brühl mit der Mehrheit ihres Gemeinderates eine Zukunfts¬frage aufgegriffen, nämlich die nachhaltige Strom- und Wärmeer¬zeugung. „Wir übernehmen damit Verantwortung und leisten einen wich¬tigen Beitrag zur Fortentwicklung der Energiewirtschaft in Deutschland, und weil wir Eigentümer des Grundstücks sind, auf dem das Kraftwerk errichtet werden soll, konnten wir von Anfang an Einfluss nehmen auf die Umsetzung dieses nachhaltigen Projekts, und haben enge Vorgaben, insbesondere beim Lärmschutz, gemacht".
Brühl sei ein attraktiver Ort in der Metropolregion Rhein-Neckar, der Nachhaltigkeit kon-kret lebe, fasste Göck zusammen. Brühl habe gut sanierte Schulen und moderne Kindertageseinrichtungen, biete ein reichhaltiges Kulturprogramm, ein gesundes Vereinsleben sowie eine gute Lebensmittelnah¬versorgung in beiden Ortskernen und am Rande der Gemarkung. Auch die Ver¬sorgung mit Patientendienst¬leistungen stimme. Aus all diesen Gründen sei Brühl auf dem Immobilien¬markt gesucht, auch weil die Verkehrs¬anbin¬dungen und die Lebens¬bedingungen links und rechts am Rhein so gut seien: „All das sind die Gründe, warum uns das Statistische Landesamt zutraut, bis zum Jahre 2030 eine nahezu konstante Einwohnerzahl zu halten", freute sich Dr. Göck über solch gute Zukunftsprognosen als Voraussetzung für die Wachstumsperspektive.
Mit seinen guten Wünschen für alle Bürge¬rinnen und Bürgern von Brühl und Rohrhof leitete er von seiner mit Beifall aufgenommenen, 22minütigen Rede über zum Grußwort des Vereinsvertretervorsitzenden Wolfram Gothe.
„Ehrenamt ist das Rückgrat der Gesellschaft"
Wolfram Gothe lobte die Entscheidung für die Sanierung der Festhalle nach fast 30 Jahren und ermunterte die Vereine, die „gute Stube" gut zu frequentieren. Er dankte den ehrenamtlich Tätigen in Brühl und Rohrhof für ihren Einsatz in Brühl. Sie hätten die Lebensqualität in Brühl ge¬steigert, aber darüber hinaus auch vielfach an andere gedacht, hätten gespendet und Projekte „rund um den Globus" unterstützt.
Sein Dank ging an die Mitarbeiter vom Bauhof über die Amtsleiter bis hin zum Bürgermeister, die alle die Vereine unterstützt hätten, aber die auch kulturelle und Ferien-Veranstaltung im Zusammenwirken mit Vereinen veranstaltet hätten, und natürlich an den Gemeinderat, der über die Vereinsförderrichtlinien auch weiterhin großzügig Zuschüsse gewähre.
Im kommenden Jahr feierten der SV Rohrhof mit „90 Jahren", und der CV „Die Rohrhöfer Göggel" mit 50 Jahren „klassisch".
Gesprächsbedarf mahnte Gothe bei den Themen „Brühler Fischerfest", Schließung des Pfarrzentrums für öffentliche Veranstaltungen und - im positiven Sinne - für den „Sportpark Süd", der sowohl dem Turnverein wie dem Fußballverein Zukunftsperspektiven bringe. Sollte das Konzept scheitern, sei das ein Rückschlag für die sportliche und städtebauliche Zukunft der Gemeinde.
Schließlich rief er die Brühler auf, den Vereinen weiter die Treue zu halten und sich in ihnen entsprechend zu engagieren, denn Vereinsarbeit mache Spaß und das Ehrenamt bleibe „das Rückgrat unserer heutigen Gesellschaft".
Zusammen mit seinem Stellvertreter Ralf Schwarz wünschte Gothe ebenfalls allen Gästen ein gutes Neues Jahr. Die beiden Rohrhofer überreichten diesmal als das „obligatorische Neujahrsgeschenk" den „Brühler Gockel vom Rohrhof", einen von Gothe höchstselbst bemalten, getöpferten Hahn als Sinnbild für den Zusammenhalt zwischen Brühl und Rohrhof.
Nach einer knappen Stunde war der offizielle Teil beendet und die Gäste kamen ins Gespräch miteinander.













